Leseprobe aus "KENNEN LERNEN"
Autor: Ther Hampe
ISBN-10: 3837019950
ISBN-13: 978-3837019957
Projektionen
Als er zur Bar ging gab er nicht wie üblich seine Bestellung auf. Wie ferngesteuert blickte er nach links und begegnete ihrem unverstellten Blick. Es war als könnte er ihre Seele erkennen und zum allerersten Mal sich mit einem anderen Menschen wirklich verstehen.
Während die Zeit stillstand, sagte ihm sein Bewusstsein, dass die Sekunden vergingen. Dies war der Moment auf den er schon immer gewartet hatte.
Er tat nichts.
Noch immer blickten sie sich gegenseitig in die Augen. Sie stand ungefähr einem Meter vor ihm, direkt vor ihm. Wie mochte sie ihn einschätzen? Ihr Blick war jetzt frecher.
Sie sagte „Und ... wer bist du?“ mit dem unglaublich süßesten spanischen Akzent, den man sich nur vorstellen konnte.
„Ähm... gute Frage. Ich heiße Frank. Und du?“ „#?+\*“ „Wie?“ „Ma‘?#´“
Abseits Ihrer Augen war hier drin kaum etwas zu verstehen „Wie heißt du?“ „Martica“ „Mucho Gusto“.
Ihre Augen fragten, wie er es anstellen könnte, ihr Interesse zu wecken. Versau‘s bloß nicht!
Ob er ihren Klischees der deutschen Männer entsprach?
Wie oft wurde Sie in diesem oder in ähnlichen Lokalen angesprochen – die ewig gleichen Fragen nach ihrer Nationalität, ihren Freunden, ob Sie öfter hier her kommt, ob Sie noch andere Lokale kennt, in denen man Mädchen wie Sie kennenlernen könnte – wie sehr ihr diese Art von Unterhaltung zuwider war.
Am Allerschlimmsten wurde es, wenn diese Deutschen versuchten, sich mit ihr auf Spanisch zu unterhalten.
Konnten diese Deutschen trotz ihrer großen Dichter und Denker kein vernünftiges Gespräch anfangen? Beschränkten sich alle ihre Sätze auf Schablonen, die so auch von Speedy Gonzales stammen könnten? Was zum Teufel stimmte hier nicht?
Als hätte es noch des Niederschlagens ihrer Augen bedurft, begann Frank zu lächeln. Ein Gefühl des Angekommenseins nach einer langen Reise breitete sich in ihm aus. Hier mit ihr war jetzt sein zu Hause.
„Ich würde dich gern kennen lernen.“ Direkter ging’s ja wohl nicht. Keine Fehler hier und heute, sabotier dich nicht wieder selbst, laß das!
Die Hände in ihren schmalen Hosentaschen versteckt, sah sie zur Bar, besser sie sah durch die Bar hindurch , auf die andere Seite, auf der in ihrer Heimatgemeinde ihre Eltern, ihre Freundinnen und ein durch die Bar nur undeutlich zu erkennender Verlobter auf sie warteten. Gut aussehend, keine Frage. Nur leider die reine Fiktion. Sie entschloss sich, das Träumen zu lassen und sich auf diesen komischen Gringo einzulassen, der ihr weniger schlecht als die anderen Leute hier schien.
„Was machst du hier?“
„Du ich bin gerade erste gekommen und wollte mir etwas zu trinken bestellen. Du hast mich ganz schön aus dem Konzept gebracht.“
Sie schüttelte den Kopf so dass ihre langen dunklen Haare ihr ins Gesicht fielen und ihre Augen verdeckten.
„So siehst du noch viel besser aus“
Jetzt mußte sie wirklich lachen.
„Was trinkst du?“
„Rotwein, nur Rotwein“
„Kann ich Dir einen bestellen?“
„Nein ich habe schon“. „Aber vielleicht meine Freundin.“
Sie zeigte nach hinten. Dort stand mit einem anderen Mann laut gestikulierend ihre Freundin.
Sie erinnerte sich daran, wie peinlich berührt manchmal diese komischen deutschen Männer reagierten, wenn es naheliegend gewesen wäre, jemanden einzuladen. Sie verstand die Leute hier wirklich nicht. Sie wollten feiern und gleichzeitig doch nicht. Sie hoffte, dass er diese Prüfung bestehen würde.
Frank lehnte sich an der Bar zu ihr herüber. „Magst du was trinken?“ Fast ohne ihre Unterhaltung zu unterbrechen, antwortete sie „Eine Bierr“. „Und für deinen Freund“ Sie lachte „Ere ist niecht meine Freund“ „Was trinkst du“ „Ein Bier, danke“.
...
„Erzähl mir etwas von Dir.“ „Was?“ „Du hast mich vorhin gefragt wer ich bin. Das möchte ich auch wissen.“ „Ich bin Martica!“ „Nein nicht wie du heißt, wer du bist!“
Martica lachte erst, musste dann aber seufzen und begann zu erzählen. Von Zuhause, ihrer Familie, ihren 2 Geschwistern. „Möchtest du sie sehen“ „Ja klar“. Martica öffnete ihre Handtasche und holte das Foto, welches sie im Kreis ihrer Familie zeigte, hervor.
Frank betrachtete es aufmerksam.
An einem sonnenüberfluteten Pool saßen da die Mutter, Bruder und Schwester und Martica. Die Mutter in der Mitte mit ihrer jüngsten Tochter auf dem Schoss, Marticas Bruder, der bereits mit ungefähr 16 als Macho durchgehen konnte zur Linken der Mutter. Die Schwester hob ihre Hand zum V hinter dem Kopf ihrer Mutter. Martica stand hinter den Dreien und umfasste Sie alle mit ihren Armen wie eine Madonna und sah dabei unbeschreiblich glücklich aus. Das wahre Oberhaupt der Familie , so viel war schon mal klar.
„Du sieht glücklich aus auf diesem Foto“ „Weißt du, das ist meine Familie“
Da sie auch in ihrem Mißverständnis übereinstimmten konnten sie sich weiter unterhalten.
Und du erzähl mir von deiner Familie: Wieviel Geschwister hast du – Zwei.
Siehst du sie oft? Nicht so oft, sie wohnen in Berlin. Wann hast du sie zuletzt gesehen? Im August, zum Geburtstag meiner Schwester.
Martica erzählte weiter, von einer Au-Pair Agentur, die sie nach Deutschland geschickt hatte, von ihrer Gastfamilie, deren Kindern, ihrer Sprachschule, die ihre Gastfamilie be-zahlte.
Wie ist deine Gastfamilie so? Martica verzog den Mund zu einem Schmollen. Geht so - nicht schlecht – aber es ist nicht meine Familie. Verstehe.
Sicherlich nicht einfach hier für dich, alles anders, allein, und nur wenig Geld. Martica sah ihn direkt in die Augen an und hoffte jemanden zu finden, der sie wirklich verstehen könnte. Sie hatte Zweifel.
Nein, es ist nicht einfach für mich. Wenn ich etwas möchte, muss ich meine Familie dreimal fragen. Ich möchte nicht jeden Abend auf die Kinder meiner Gastfamilie aufpassen. Ich möchte leben, möchte frei sein und gehen können wann ich will und wohin ich will. Die Mutter der Kinder ist nett zu mir und gibt mir mehr Geld als sie müsste, aber ich bin doch keine Hausangestellte.
Sicherlich hatten sie jede Menge Personal in Kolumbien, dachte Frank und versuchte sich, in ihre Situation hinein zu versetzen.
Frank konnte nicht mehr jedes ihre Worte verstehen. Er beugte sich zu ihrem Mund und genoss es, ihr nah zu sein. Ihre Haare dufteten nach Sommer und Produkten, die es so hier in München seit Jahrzehnten nicht mehr zu kaufen gab.
Es war jetzt so eng, dass es unmöglich war, sich nicht zu berühren, selbst wenn man es nicht gewollt hätte, was sie nicht wollten. Für beide verschwand die Geräuschkulisse der Bar, sie waren jetzt zu zweit. Frank wusste, jetzt kam es darauf an, Martica von sich zu überzeugen.
Sein Mund war nah an ihrem Ohr. Er zögerte. Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und sah ihm in die Augen.
Falls dieses Erlebnis Bestandteil eines Plans war, ließen sie ihn fallen. Frank verlor in diesem Moment seinen Verstand.
„Ich möchte dich küssen“ Sie rückte näher an ihn heran und öffnete ihren Mund: „Noch nicht“.
ISBN-10: 3837019950
ISBN-13: 978-3837019957
Projektionen
Als er zur Bar ging gab er nicht wie üblich seine Bestellung auf. Wie ferngesteuert blickte er nach links und begegnete ihrem unverstellten Blick. Es war als könnte er ihre Seele erkennen und zum allerersten Mal sich mit einem anderen Menschen wirklich verstehen.
Während die Zeit stillstand, sagte ihm sein Bewusstsein, dass die Sekunden vergingen. Dies war der Moment auf den er schon immer gewartet hatte.
Er tat nichts.
Noch immer blickten sie sich gegenseitig in die Augen. Sie stand ungefähr einem Meter vor ihm, direkt vor ihm. Wie mochte sie ihn einschätzen? Ihr Blick war jetzt frecher.
Sie sagte „Und ... wer bist du?“ mit dem unglaublich süßesten spanischen Akzent, den man sich nur vorstellen konnte.
„Ähm... gute Frage. Ich heiße Frank. Und du?“ „#?+\*“ „Wie?“ „Ma‘?#´“
Abseits Ihrer Augen war hier drin kaum etwas zu verstehen „Wie heißt du?“ „Martica“ „Mucho Gusto“.
Ihre Augen fragten, wie er es anstellen könnte, ihr Interesse zu wecken. Versau‘s bloß nicht!
Ob er ihren Klischees der deutschen Männer entsprach?
Wie oft wurde Sie in diesem oder in ähnlichen Lokalen angesprochen – die ewig gleichen Fragen nach ihrer Nationalität, ihren Freunden, ob Sie öfter hier her kommt, ob Sie noch andere Lokale kennt, in denen man Mädchen wie Sie kennenlernen könnte – wie sehr ihr diese Art von Unterhaltung zuwider war.
Am Allerschlimmsten wurde es, wenn diese Deutschen versuchten, sich mit ihr auf Spanisch zu unterhalten.
Konnten diese Deutschen trotz ihrer großen Dichter und Denker kein vernünftiges Gespräch anfangen? Beschränkten sich alle ihre Sätze auf Schablonen, die so auch von Speedy Gonzales stammen könnten? Was zum Teufel stimmte hier nicht?
Als hätte es noch des Niederschlagens ihrer Augen bedurft, begann Frank zu lächeln. Ein Gefühl des Angekommenseins nach einer langen Reise breitete sich in ihm aus. Hier mit ihr war jetzt sein zu Hause.
„Ich würde dich gern kennen lernen.“ Direkter ging’s ja wohl nicht. Keine Fehler hier und heute, sabotier dich nicht wieder selbst, laß das!
Die Hände in ihren schmalen Hosentaschen versteckt, sah sie zur Bar, besser sie sah durch die Bar hindurch , auf die andere Seite, auf der in ihrer Heimatgemeinde ihre Eltern, ihre Freundinnen und ein durch die Bar nur undeutlich zu erkennender Verlobter auf sie warteten. Gut aussehend, keine Frage. Nur leider die reine Fiktion. Sie entschloss sich, das Träumen zu lassen und sich auf diesen komischen Gringo einzulassen, der ihr weniger schlecht als die anderen Leute hier schien.
„Was machst du hier?“
„Du ich bin gerade erste gekommen und wollte mir etwas zu trinken bestellen. Du hast mich ganz schön aus dem Konzept gebracht.“
Sie schüttelte den Kopf so dass ihre langen dunklen Haare ihr ins Gesicht fielen und ihre Augen verdeckten.
„So siehst du noch viel besser aus“
Jetzt mußte sie wirklich lachen.
„Was trinkst du?“
„Rotwein, nur Rotwein“
„Kann ich Dir einen bestellen?“
„Nein ich habe schon“. „Aber vielleicht meine Freundin.“
Sie zeigte nach hinten. Dort stand mit einem anderen Mann laut gestikulierend ihre Freundin.
Sie erinnerte sich daran, wie peinlich berührt manchmal diese komischen deutschen Männer reagierten, wenn es naheliegend gewesen wäre, jemanden einzuladen. Sie verstand die Leute hier wirklich nicht. Sie wollten feiern und gleichzeitig doch nicht. Sie hoffte, dass er diese Prüfung bestehen würde.
Frank lehnte sich an der Bar zu ihr herüber. „Magst du was trinken?“ Fast ohne ihre Unterhaltung zu unterbrechen, antwortete sie „Eine Bierr“. „Und für deinen Freund“ Sie lachte „Ere ist niecht meine Freund“ „Was trinkst du“ „Ein Bier, danke“.
...
„Erzähl mir etwas von Dir.“ „Was?“ „Du hast mich vorhin gefragt wer ich bin. Das möchte ich auch wissen.“ „Ich bin Martica!“ „Nein nicht wie du heißt, wer du bist!“
Martica lachte erst, musste dann aber seufzen und begann zu erzählen. Von Zuhause, ihrer Familie, ihren 2 Geschwistern. „Möchtest du sie sehen“ „Ja klar“. Martica öffnete ihre Handtasche und holte das Foto, welches sie im Kreis ihrer Familie zeigte, hervor.
Frank betrachtete es aufmerksam.
An einem sonnenüberfluteten Pool saßen da die Mutter, Bruder und Schwester und Martica. Die Mutter in der Mitte mit ihrer jüngsten Tochter auf dem Schoss, Marticas Bruder, der bereits mit ungefähr 16 als Macho durchgehen konnte zur Linken der Mutter. Die Schwester hob ihre Hand zum V hinter dem Kopf ihrer Mutter. Martica stand hinter den Dreien und umfasste Sie alle mit ihren Armen wie eine Madonna und sah dabei unbeschreiblich glücklich aus. Das wahre Oberhaupt der Familie , so viel war schon mal klar.
„Du sieht glücklich aus auf diesem Foto“ „Weißt du, das ist meine Familie“
Da sie auch in ihrem Mißverständnis übereinstimmten konnten sie sich weiter unterhalten.
Und du erzähl mir von deiner Familie: Wieviel Geschwister hast du – Zwei.
Siehst du sie oft? Nicht so oft, sie wohnen in Berlin. Wann hast du sie zuletzt gesehen? Im August, zum Geburtstag meiner Schwester.
Martica erzählte weiter, von einer Au-Pair Agentur, die sie nach Deutschland geschickt hatte, von ihrer Gastfamilie, deren Kindern, ihrer Sprachschule, die ihre Gastfamilie be-zahlte.
Wie ist deine Gastfamilie so? Martica verzog den Mund zu einem Schmollen. Geht so - nicht schlecht – aber es ist nicht meine Familie. Verstehe.
Sicherlich nicht einfach hier für dich, alles anders, allein, und nur wenig Geld. Martica sah ihn direkt in die Augen an und hoffte jemanden zu finden, der sie wirklich verstehen könnte. Sie hatte Zweifel.
Nein, es ist nicht einfach für mich. Wenn ich etwas möchte, muss ich meine Familie dreimal fragen. Ich möchte nicht jeden Abend auf die Kinder meiner Gastfamilie aufpassen. Ich möchte leben, möchte frei sein und gehen können wann ich will und wohin ich will. Die Mutter der Kinder ist nett zu mir und gibt mir mehr Geld als sie müsste, aber ich bin doch keine Hausangestellte.
Sicherlich hatten sie jede Menge Personal in Kolumbien, dachte Frank und versuchte sich, in ihre Situation hinein zu versetzen.
Frank konnte nicht mehr jedes ihre Worte verstehen. Er beugte sich zu ihrem Mund und genoss es, ihr nah zu sein. Ihre Haare dufteten nach Sommer und Produkten, die es so hier in München seit Jahrzehnten nicht mehr zu kaufen gab.
Es war jetzt so eng, dass es unmöglich war, sich nicht zu berühren, selbst wenn man es nicht gewollt hätte, was sie nicht wollten. Für beide verschwand die Geräuschkulisse der Bar, sie waren jetzt zu zweit. Frank wusste, jetzt kam es darauf an, Martica von sich zu überzeugen.
Sein Mund war nah an ihrem Ohr. Er zögerte. Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und sah ihm in die Augen.
Falls dieses Erlebnis Bestandteil eines Plans war, ließen sie ihn fallen. Frank verlor in diesem Moment seinen Verstand.
„Ich möchte dich küssen“ Sie rückte näher an ihn heran und öffnete ihren Mund: „Noch nicht“.
Darklady - 30. Mai, 08:41
























