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Interviews

Samstag, 10. Mai 2008

Interview mit Iny Lorenz

Mit der Romantriologie "Die Wanderhure" wurde für Iny Lorenz' der Traum wahr, den alle Autoren träumen: Einmal einen Bestseller schreiben! Das Autorenpaar hat es geschafft, sie haben nicht nur einen sondern inzwischen zahlreiche Bestseller geschrieben und so eine Fangemeinde hinter sich versammelt, die quasi nägelkauend vor Ungeduld auf das neue Buch warten.

Unser Treffen findet wegen des schönen Wetters auf der Terrasse des Autorenduos statt. Bei Kaffee und Kuchen stellen sich die beiden meinen Fragen nach ihrem Berufsleben.

Darklady: Iny, Elmar, ich weiß, diese Frage ist euch schon x-mal gestellt worden, aber die LeserInnen auf meinem Blog bitten euch, sie trotzdem zu beantworten. Wie arbeitet man als Autorenduo gemeinsam an einem Roman. Habt ihr genau umgrenzte Arbeitsgebiete, z. B. der eine schreibt die Dialoge, der andere übernimmt die Handlung oder sieht die Zusammenarbeit ganz anders aus?

Iny Lorenz: Ideen entwickeln wir meist gemeinsam und suchen auch den entsprechenden geschichtlichen und lokalen Hintergrund in trauter Zweisamkeit aus. Die Recherchen werden größtenteils von Elmar gemacht, aber von uns beiden immer wieder durchgesprochen. Während dieser Zeit schreiben wir das Exposé und legen es unserer Agentin vor. Diese kennt den Buchmarkt und weiß, ob wir diese Idee gerade zu diesem Zeitpunkt ausführen, oder lieber doch eine andere wählen sollten.

Sobald Elmar bei seinen Recherchen einen gewissen Stand erreicht hat, beginnt er mit dem Rohtext. Dieser entsteht in enger Abstimmung mit Iny. Elmar überarbeitet seinen Text noch einmal auf deren Kritik hin, beseitigt Längen, vertieft einzelne Handelsstränge, und übergibt dann den Roman an Iny. Diese feilt und poliert in etlichen Arbeitsgängen das Manuskript aus, beseitigt logische Fehler und sorgt für eine flüssige und gut lesbare Sprache. Elmar ist in jedem Arbeitsgang als Testleser mit eingebunden und gibt Tipps, was noch verbessert werden könnte.

Danach geht das Manuskript zunächst an unsere Agenturlektorin, die meist noch ein paar kleine Fehler findet, und dann weiter an den Verlag.

Darklady: Die zweite Frage, die auf dem Blog gestellt wurde ist: Wie verkraftet ihr euren Ruhm? Sicher werden ja nun von Verlagsseite Erfolgsgarantien von euch erwartet a la jeder Iny Lorenz muss ein Bestseller werden. Und beobachtet ihr genauso zitternd die Rankings eurer Bücher zum Beispiel bei Amazon oder im Stern?

Iny Lorenz: Der Begriff Ruhm ist relativ. Man weiß in Verlagskreisen wer wir sind, aber wir können immer noch unerkannt ein Buchgeschäft betreten und uns dort umsehen. Auch auf der Straße dreht sich keiner nach uns um. Im Grunde führen wir ein normales Leben wie Millionen anderer Leute in diesem Land.

Da wir versuchen, über unterschiedliche Zeiten und Themen zu schreiben, müssen wir immer damit rechnen, dass mal ein Buch nicht so einschlägt wie die anderen. Daher beobachten wir zwar unsere Rankings, zittern aber gewiss nicht dabei. Wir freuen uns, wenn die Bücher gut stehen, aber wir wissen, das Historische Romane normalerweise Longseller sind und keine Bestseller. Wir schauen einfach zu, wie sich unsere Bücher machen und sind stolz, dass unser erstes, die Kastratin, immer noch im Buchhandel zu finden ist. Dieses Buch war nie auf irgendwelchen Seller-Listen, hat aber mit sechsstelligen Auflagenzahlen manchen Bestseller hinter sich gelassen.

Darklady: Heute denke ich, bekommt ihr keine Absagebriefe mehr. Aber ich denke mal, dass euch diese "Ihr Manus passt leider nicht in unser Programm" Formbriefe auch bekannt sind. Wie seid ihr mit diesen ich nenne es jetzt mal "Misserfolgen" umgegangen?

Iny Lorenz: Wir bekommen durchaus noch Absagen, wenn z.B. ein Roman nicht ins Verlagsprogramm passt oder nicht dem persönlichen Geschmack des Lektors oder der Lektorin entspricht. Es ist für unsere Agentin inzwischen allerdings leichter, einen anderen Verlag zu finden, für den das jeweilige Manuskript geeignet ist.

Absagen haben uns niemals abgeschreckt, denn wir waren immer der festen Überzeugung, dass wir es einmal schaffen würden. Die Frage war nur wann. Auch wenn ein Roman von verschiedenen Verlagen abgelehnt wurde, haben wir nie aufgehört zu schreiben. Den Durchbruch aber haben wir erst geschafft, seit wir von einer Agentur vertreten werden. Ein Agent oder eine Agentin kennen die Verlage und wissen, wo sie sie einen Roman mit der größten Aussicht auf Erfolg anbieten können.

Darklady: Was würdet ihr einem Neu-Autoren raten, der mit Liebe und Leidenschaft schreibt, aber immer wieder nur Absagen erhält?

Iny Lorenz: Das Wichtigste ist, nicht aufzugeben, sondern weiterzuschreiben, auch wenn es Absagen nur so hagelt. Allerdings würden wir jedem Jungautoren raten, sich an eine seriöse Literaturagentur zu wenden. Ein Agent oder eine Agentin können am ehesten erkennen, ob ein Autor das nötige Potential besitzt. Allerdings sollte man sich auch hier nicht auf ein Urteil verlassen. Das einen Uhl kann durchaus des anderen Nachtigall sein. Uns ist es jedenfalls so ergangen.

Darklady: Die meisten Leute haben ja eine sehr romantische Vorstellung vom Autorenberuf. Etwa derart, dass Erfolgsautoren alle Villen in Südfrankreich, Spanien, auf Malle usw. besitzen, sich dort in der Sonne aalen, Cocktails schlürfen, auf ihren Millionenschweren Honorarscheck warten und nur schreiben, wenn sie Geld brauchen. Wärt ihr bereit, den LeserInnen einen kleinen Einblick in euer Autorenleben zu geben?

Iny Lorenz: Es mag Autoren geben, die es sich in der Provence, in Spanien oder anderen schönen Weltgegenden gut gehen lassen. Allerdings leben diese dort entweder aus anderen Gründen oder hatten über einen sehr langen Zeitraum ungewöhnlich große Erfolge einschließlich Verfilmungen aufzuweisen. Davon sind wir weit entfernt. Zumindest hat uns noch niemand einen millionenschweren Honorarscheck angeboten.

Wir sind froh, wenigstens im Augenblick sorgenfrei leben und uns ganz dem Schreiben widmen zu können. Das Zauberwort dafür heißt allerdings Disziplin. Wir sitzen jeden Tag mindestens sechs bis zehn Stunden am Computer, um zu schreiben, zu überarbeiten, zu recherchieren und unsere Korrespondenz per Email zu erledigen. An den Wochenenden wird ebenfalls gearbeitet, um Fehlzeiten, die durch Veranstaltungen oder auch Fahrten zur Agentur verloren gehen, wieder einzuholen.

Darlady: Ich danke euch im Namen aller Blogleser für das Interview.

Freitag, 25. April 2008

Interview mit Patricia Amber

Ihre Romane sind wunderbar romantisch, spannend und hocherotisch. Nach der Lektüre von "Der Graf und die Diebin" und "Kosakensklavin" erwartete ich eine forsche Lederjackenlady zu treffen, doch stattdessen sitzt mir nun eine zarte, sehr hübsche Frau gegenüber, die aussieht, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Bei Capuccino und selbstgedrehten Zigaretten erzählt sie ganz unbefangen aus ihrem Leben, das sich eigentlich fast ausschließlich ums Schreiben dreht.

Darklady: Patricia, deine beiden Romane "Der Graf und die Diebin" und "Kosakensklavin" stehen seit Wochen überall auf den ersten Plätzen der bekannten Bestsellerrankings. Beide Romane spielen in längst vergangenen Zeiten: "Der Graf und die Diebin" in Frankreich unter der Regentschaft Ludwig des Vierzehnten, die "Kosakensklavin" in Russland zur Zeit Katharina der Großen. Dabei faszinierst du deine LeserInnen nicht nur mit phantasievollen erotischen Szenen sondern auch mit einem enormen Hintergrundwissen. Wie lange hast du für die Recherche an den beiden Romanen gebraucht?

Patricia Amber: Ein paar Wochen schon. Bei diesen beiden Romanen kam mir zu Hilfe, dass ich durch mein Studium (Russisch und Französisch fürs Lehramt) schon einen guten Wissenshintergrund hatte. Außerdem hatte ich mich vor Jahren einmal mit den Briefen der Lieselotte von der Pfalz beschäftigt, die ja eine Fülle von intimen Details über das Leben am Hof des Sonnenkönigs preisgibt. Und Katharina die Große ist eine faszinierende Persönlichkeit, über die ich auch schon früher mehrere Biographien gelesen hatte. Trotzdem erfordert die Arbeit an einem Roman immer noch eine Menge an Datailrecherchen - manchmal sucht man verzweifelt in allen möglichen Quellen nach einer einzigen Information, die für den Gang der Handlung sehr wichtig ist.

Darklady: Weshalb gibst du deinen Romanfiguren so gerne historische Rahmen? Wäre es nicht einfacher, Romane in der Ist-Zeit zu schreiben?

Patricia Amber: Eigentlich nicht. Jeder Roman braucht einen Hintergrund und daher benötigt auch ein zeitgenössischer Roman Recherchen. Sei es über ein betimmtes Fachgebiet ( dein Held ist Arzt, Biologe, Sozialarbeiter etc) oder über die Landschaft, in der die Geschichte spielt. Nun - ich gebe gern zu: ich bin ein Geschichtsfan. Ich war eines dieser seltenen Kinder, die man in jedes Museum schleppen konnte und die dort stundenlang vor Glasvitrinen stehen konnten, ich habe freiwillig alte Kirchen angeschaut (damals dachte ich, in jeder Ecke könnte ein Geheimnis verborgen sein, oder wenigstens ein Gespenst) und ich habe als 16jährige eine heiße Steinzeitphase gehabt, habe Bücher durchgearbeitet, Karteien angelegt und in den Äckern nach Faustkeilen Ausschau gehalten. Später - viel später - habe ich die Geschichte der Idsteiner Hexenverfolgung aufgearbeitet und im Hessischen Staatsarchiv über den Original-Akten der Verhöre gebrütet. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich imstande war, auch nur die Schrift zu entziffern. Was mich an der Geschichte fasziniert? Ich glaube es sind die Menschen, was sie geglaubt haben, wie sie gefühlt und gedacht haben und was sie von ihrem Leben erhofften. Vielleicht hätte ich Geschichte studieren sollen - aber nein. Ich bin keine kühle Wissenschaftlerin, mir kommt halt immer meine Phantasie quer und dann fangen die Personen der Vergangenheit plötzlich an zu leben.

Darklady: Wann hast du deine kreativste Phase, also kannst am besten schreiben?

Patricia Amber: Am späten Nachmittag und am Abend bis in die Nacht hinein. Am Vormittag bin ich zu realistisch, kritisch, praktisch. Dann erledige ich die Haus- und Büroarbeit, gehe mit dem Hund, telefoniere oder mache Besuche.

Darklady: Woher nimmst du deine Ideen und wie lange arbeitest du gewöhnlich an einem Roman?

Patricia Amber: Ideen sind Flugwesen, die um uns herumschwirren. Mit der Zeit lernt man, sie zu packen, zurechtzubiegen und zu Papier zu bringen. Die Arbeit an einem Roman beginnt mit der Ausarbeitung des Exposés - das heißt, die Idee ist schon gefangen, hockt im Käfig, und wurde zu einer Geschichte zurechtgezupft. Wenn ich daran gehe, den Roman zu schreiben, brauche ich dafür in der Regel sechs bis acht Wochen. Das bedeutet allerdings jeden Tag schreiben, egal ob Wochenende oder Feiertag.

Darklady: Wann dürfen wir einen neuen Patricia Amber Roman erwarten? Und magst du uns vielleicht schon ein wenig über den Inhalt verraten?

Patricia Amber: Patrica Amber hat vor, sich im London des 19. Jahrhundert herumzutreiben, es wird viel Nebel und unheimliche Schatten in den Straßen geben, kann sein, dass sich auch Jack the Ripper dort verbirgt. Auf jeden Fall wird die Erotik dabei nicht zu kurz kommen. Aber mehr kann ich nun wirklich nicht verraten.

Darklady: Was wünscht du dir beruflich, welche Pläne oder Ziele hast du noch, die du unbedingt verwirklichen willst?

Patricia Amber: Ich wünsche mir, dass ich noch viele Jahre Bücher schreiben und veröffentlichen kann. Es ist eine wundervolle Arbeit, sie bringt zwar nicht viel Geld ein, dafür böse Schmerzen im Nackenbereich, ständige Unsicherheit und Anspannung und das Gefühl, hinter dem Computer zweitweise zu vereinsamen. Dafür darf ich aber in fremde Welten abtauchen, die ich selbst erschaffe und steuern kann. In diese Traumwelten möchte ich meine Leser entführen und ich wünsche mir sehr, dass sie sich dort genau so wohlfühlen wie ich.

Mittwoch, 16. April 2008

Interview mit Olaf Büttner

DeLiA_Buettner_Olaf


Heute möchte ich euch einen meiner interessantesten Kollegen vorstellen: Olaf Büttner, Sozialpädagoge und Schrifststeller, dessen Jugendromane durchaus auch für Erwachsene geeignet sind und umgekehrt. Ein äußerst vielseitiger Autor, der neben seinen Jugend- und Erwachsenenromanen auch diverse Kurzgeschichten veröffentlicht hat, sowie Drehbücher und Kolumnen schreibt, die regelmäßig in einer großen Tageszeitung erscheinen. Olaf Büttner wurde bereits mit zahlreichen Preisen für seine literarische Arbeit ausgezeichnet.
Wir sitzen uns in einer dieser typischen norddeutschen Teestuben gegenüber und genießen Schietwettertee mit Kluntjes und Klütjes, während wir uns entspannt unterhalten.

Darklady: Olaf, deiner Vita entnehme ich, dass du als Sozialpädagoge mit behinderten Kindern arbeitest. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, gerade die emotionale Belastung. Wie schaffst du es dann noch deine Romane, Drehbücher, Kurzgeschichten und vieles mehr zu schreiben? Woher nimmst du die Zeit und die Kraft?

Olaf Büttner: Inzwischen habe ich den Bereich gewechselt und arbeite nun wieder mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (eher leicht) geistig Behinderten. Über das "normale" Maß hinaus anstrengend ist diese Arbeit eigentlich nur, wenn sie einem nicht liegt. Mir macht sie (meistens)richtig Spaß, da sie mich immer wieder mit Menschen zusammenführt und Beziehungen zu ihnen aufbauen lässt, mit denen ich sonst keinen Kontakt hätte. Und sie alle sind besondere, manchmal auch skurrile, jedenfalls immer interessante Persönlichkeiten und Typen. Das finde ich bereichernd und irgendwie gibt es mir vielleicht sogar mehr Kraft als dass es mir Kraft nimmt.
Wichtig ist, dass ich diese Arbeit in 20-Stunden-Schichten mache und es mir durch das Schreiben erlauben kann, seit Jahren mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten. Das bedeutet in der Regel, einen oder zwei Tage (dann allerdings durchgehend) die Woche Arbeit im Wohnheim und fünf Tage fürs Schreiben, wo ich dann um einen mindestens 7-8 Stundentag bemühe. Im Gegensatz zu vielen anderen Kombinationen von "bürgerlichem" und künstlerischem Beruf erscheint mir das eine tolle Variante, für die ich sehr dankbar bin.

Darklady: Gibt es Themen, die dir ganz besonders am Herzen liegen?

Olaf Büttner: Das ist schwer zu sagen, da ich über viele verschiedene Themen schreibe (und wenn ich über etwas schreibe, begeistert mich eigentlich jedes Thema), auch Genre übergreifend: Krimis, Thriller, aber auch Geschichten, in denen es vorwiegend um Liebe geht. Ich habe Bücher für Erwachsene veröffentlicht (die allerdings auch Jugendliche lesen können)und Bücher für Jugendliche (die allerdings auch Erwachsene lesen können).
Widersprüche interessieren mich. Konflikte: Warum muss ich oft jemanden verletzen, wenn ich einen anderen liebe? Warum tötet plötzlich jemand, der von sich gedacht hat, er könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun? Warum ist ein Behinderter manchmal (lebens)klüger als ein Professor? Warum geht Ernst nicht ohne Komik? Warum war Einstein albern? Warum Loriot ernst? - Du siehst schon, das lässt sich unendlich fortsetzen. Zusammengefasst: Themen werden für mich durch ihren inneren Widerspruch interessant. Das Leben ist immer These und Antithese in einem. Und das Leben ist natürlich das große Thema, keine Frage.- Ich hoffe nur, ich hab jetzt niemand gelangweilt, ich hör mal lieber auf.

Darklady: Es gibt AutorenInnen, die brauchen eine ganz bestimmte Atmosphäre zum Schreiben. Thomas Mann z.B. benötigte absolute Ruhe, die Familie durfte sich nur auf Zehenspitzen durchs Haus bewegen. Wie ist das bei dir? Welche Stimmung brauchst du, um arbeiten zu können und was kannst du überhaupt nicht leiden bzw. stört dich extrem?

Olaf Büttner: Eine interessante Frage, die ich mir auch immer wieder neu stelle. Meine Wohnlage hier ist zum Beispiel sehr ruhig, direkt am Meer, schön. Aber ich frage mich schon, ob ich das zum Schreiben wirklich brauche. Ich glaube, dafür könnte ich auch irgendwo in Köln wohnen. Wichtig ist, dass ich mich in der Umgebung wohl fühle, da kann auch ruhig schon mal ein Auto vorbeifahren oder eine Straßenbahn. Stören tut Ruhe mich aber auch nicht.
Ich schreibe ganz gerne, wenn ich allein Zuhause bin. Sind aber andere da, hasse ich nichts so sehr wie übertriebene Rücksichtnahme nach dem Motto Thomas Mann: der hoch wohlgeborene Herr Dichter dichtet und alle anderen haben zu kuschen. Da kriege ich eine ganz unangenehme Gänsehaut und könnte mich glatt übergeben, wenn ich das nur höre. Mit einem gesunden Maß an Rücksichtnahme, die im Zusammenleben m.E. gegenseitig vorhanden sein sollte, hat das allerdings nichts zu tun: die finde ich gut und wichtig. Ansonsten kann ich auf meine eigenen Befindlichkeiten nur sehr begrenzt Rücksicht nehmen, da ich sehr regelmäßig schreibe, um meine Ziele zu erreichen. Im zurückliegenden Jahr hatte ich zum Beispiel eine richtig ernsthafte Schreibblockade, das war die Hölle für mich.
Darüber hinaus würde ich, müsste es sein, es auch noch machen wie Jack Kerouac, der seinen ersten Roman ("On the road/Unterwegs") zum Großteil in einem Klo auf Toilettenpapier verfasst hat. Also man sieht schon meine Ausrichtung: Kerouac statt Mann, gelebtes Leben statt Elfenbeinturm. Da kann ich entschieden besser atmen... selbst wenn's auf einer Toilette ist ;-)

Darklady: Magst du uns etwas über deine Arbeitsweise erzählen? Womit beginnst du, wenn du erst einmal eine komplexe Idee hast für einen Roman? Und wie lange dauert es dann von der Idee bis zum fix und fertigen Manuskript?

Olaf Büttner: Geständnis vorweg: Ich habe nie eine komplexe Idee, wenn ich einen Roman beginne. Fange ich das Schreiben an, habe ich natürlich ein Thema, eine Grundidee und eine oder zwei starke Personen, die mir durch den Kopf schwirren und manchmal bis in die Nacht hinein verfolgen. Das sind meine Eckpfeiler. Wenn die stehen, geht's los: Ein starker Protagonist in einer interessanten Situation, die ich aufschreibe. Danach sehe ich, ob die Geschichte funktioniert oder nicht. Tut sie es nicht: Papierkorb! Tut sie es aber doch, geht's von ganz alleine weiter. Die Geschichte entwickelt sich, die Person geht ihren Weg, andere kommen hinzu. Das ist für mich selbst ein hochspannender Prozess.
Ich selbst schreibe nur noch mit, was sich abspielt. - Ich nenne mich oft "Schriftsteller", weil ich "Autor" nicht mag und unpassend finde für das, was wir tun. Am korrektesten wäre es bei mir allerdings, ich würde mich als "Protokollant" bezeichnen. Anders empfinde ich das oft wirklich nicht. Kommt eine Geschichte erstmal in Schwung, hab ich oft Schwierigkeiten, das Tempo mitzuhalten, das die Figuren mir vorlegen. Die schäumen oft geradezu über vor Tatendrang und Ideen.
Ich glaube schon, dass ich ein bisschen Fantasie hab, aber zum Schreiben brauche ich die eigentlich gar nicht ;-) . Das ist mehr so ein Beamtenjob: Ich protokolliere, was ich sehe, was sich vor meinem inneren Auge abspielt.
Wenn ich in einem solchen Sog erstmal drin stecke, dauert es (je nach Länge der Story) noch so zwei bis vier Monate, bis die erste Fassung einer Geschichte fertig ist. Den Rest, verschiedene Überarbeitungen, mache ich dann zum Großteil zusammen mit meiner Lektorin.

Darklady: Welche beruflichen Pläne hegst du für die Zukunft? Werden wir bald einen neuen Olaf-Büttner-Roman in den Händen halten dürfen?

Olaf Büttner: Schön gesagt: halten dürfen, grins. Danke! - Ja, "Die letzte Party" ist ja vor drei Monaten erschienen und in neun Monaten gibt's ein neues Buch (Arbeitstitel "Spurlos"). Das wird wieder ein Krimi (für Menschen ab 14 bis ...), eine Fortsetzung meines Buches aus 2007: "Tod im Hafen".
Damit bin ich zurzeit gerade im Endspurt, möchte das Manuskript bis Ende April beim Verlag vorlegen können. Darüber hinaus plane ich mit einem anderen großen Verlag konkret einen weiteren Roman zum Thema Jugendalkoholismus/Komasaufen. Damit werde ich anfangen, sobald ich diesen fertig habe.
Außerdem möchte ich so bald wie möglich auch wieder einen Roman vorrangig für Erwachsene schreiben. Da sucht mein Agent gerade einen neuen Verlag für mich. - Ansonsten schreibe ich immer fleißig meine Kolumnen für eine Tageszeitung, vor allem zum Thema "Mann/Frau", aber auch zum "Älter werden".
Wer sich näher informieren möchte über mich, meine Bücher, Arbeit, über geplante Lesungen u.ä., hier meine Homepage:
www.olafbüttner. de oder www.olafbuettner.de.vu
Über Besucher dort freue ich mich immer.
Und noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Meinen Roman "Sommersturm", für den ich den "DeLiA 2005" bekommen habe als bester deutschsprachiger Liebesroman des Vorjahres, kann ich nun zum Sonderpreis von 5,- € anbieten (Näheres ebenfalls auf meiner Seite)

Danke, liebe "Darklady", für die interessierten und interessanten Fragen und danke auch an alle, die gelesen haben, für das Interesse!

Freitag, 11. April 2008

Interview mit einer heimlichen Bestsellerautorin

Kaum einer kennt ihre Namen, sie stehen auf keiner Hitliste, Literaturkritiker und Intellektuelle rümpfen die Nase, wenn die Sprache auf sie kommt - und trotzdem: Die Romane dieser Autorinnen/Autoren sind die heimlichen Bestseller. Sie erreichen Auflagenzahlen von denen ihre KollegenInnen nur träumen und sie liegen in Millionen Haushalten verschämt versteckt in Nachttischen, Schrankfächern oder im Bad unter den Handtüchern.
Heute möchte ich euch nun eine der erfolgreichsten Hefti-Autorinnen vorstellen: Anita Friedrich aka Anne Jerach, die ihre Leser seit vielen Jahren mit ihren spannenden, humorvollen und romantischen Romanen erfreut.

Darklady: Anita, aka Anne, du schreibst Heftromane, Liros, Kinderbücher, Kurzgeschichten und führst auch noch einen eigenen Verlag. Sag mal, wie schaffst du das alles?

Anne Jerach: Das frage ich mich allerdings auch. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke und ich habe oft das Gefühl, mit der Arbeit stets hinterher zu hinken. Andererseits werden dieses Gefühl wohl die meisten Autoren kennen.
Mir hilft eine ziemlich konsequente Zeitplanung, was meine Nachbarn zum Beispiel nicht verstehen können, wenn ich mal wieder eine Kaffeeinladung ausschlage. Meistens heißt es dann: 'Du bist den ganzen Tag zu Hause. Du kannst dir doch deine Arbeit einteilen, wie du möchtest. Die meisten Leute sind immer noch der Meinung, es genügt, sich täglich ein bis zwei Stunden an den Schreibtisch zu setzen und bald darauf trudelt soviel Geld ein, dass man wie Dagobert Duck darin baden kann.

Darklady: Was wird in deinem Verlag veröffentlicht?

Anne Jerach: Kinder- und Jugendbücher, Lyrik und Romane aller Sparten als eBooks, vereinzelte Druckausgaben und vor allen Dingen auch Kalender. Dieses Jahr geben wir auch ein personalisiertes Kindergebetbuch in Ringbindung heraus, das individuell mit Fotos und Widmung auf das jeweilige Kind zugeschnitten ist. Ich habe dieses Buch Weihnachten an Kindern getestet, die es als Geschenk erhalten haben. Es ist bei Kindern und Eltern sehr gut angekommen. Desweiteren planen wir Hörbücher.

Darklady: Wie viele Heftis hast du bereits veröffentlicht und in welchen Verlagen?

Anne Jerach: Etwa zwischen 1.100 und 1.200 Heftromane. Sie sind im Marken-Verlag, Bastei-Verlag, Pabel-Verlag und Kelter-Verlag erschienen.

Darklady: Welches ist dein Lieblingsgenre?

Anne Jerach: Historische Romane und Romantic-Thriller

Darklady: Woher nimmst du die Ideen für all diese vielen Geschichten?

Anne Jerach: Ich besaß schon als Kind sehr viel Fantasie, davon abgesehen, liegen die Ideen eigentlich auf der Straße. Man muss sie nur aufheben. Man sollte nicht meinen, was allein in der näheren Umgebung alles passiert. Es gibt auch ziemlich viel Leute, die mir Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Ich konnte schon immer sehr gut und geduldig zuhören.

Darklady: Was antwortest du Leuten, die dich fragen "Wann schreiben Sie denn mal einen richtiges Buch und nicht diese Liebesschnulzen?"

Anne Jerach: Meistens sind das Leute, deren Lektüre sich in Frauenzeitschriften erschöpft und die einen Großteil des Tages vor dem Fernseher verbringen, um sich Talkshows und Seifenopern anzuschauen.
Ich antworte ihnen gewöhnlich, dass jede Literaturgattung ihre Berechtigung hat und dass sie sich mal an den Schreibtisch setzen sollen und versuchen, selbst einen Roman zu schreiben.
Im Grunde genommen lassen mich derartige Fragen inzwischen kalt.

Darklady: Gibt es einen beruflichen Wunsch, den du verwirklichen möchtest?

Anne Jerach: Ja, ich hoffe, dass ich irgendwann einmal genügend Zeit habe, um meinen Roman 'Schrei im Spiegel' zu Ende zu bringen. Außerdem möchte ich ein Buch über den Negev schreiben, mit Schwerpunkt Sde Boker, einem kleinen Kibbutz, in dem ich David ben Gurion kennen lernen durfte, für mich einer der außergewöhnlichsten Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts.

Donnerstag, 3. April 2008

Autorenporträt: Sandra Henke

Liebe Blogbesucherinnen/besucher:-)
In den nächsten Wochen möchte ich euch gerne Kolleginnen und Kollegen vorstellen, die in ganz unterschiedlichen Genres tätig sind, eine ganz individuelle eigene Schreibe haben, berühmt oder weniger berühmt sind und einige, die zu den Megasellerautoren gehören, deren Namen aber niemand kennt.
Den Anfang macht die Bestsellerautorin Sandra Henke, mit der ich mich in einem Café in Neuss getroffen habe.

Darklady: Sandra, deine Bücher belegen ja allesamt auf der Hitliste der Erotikromane die vordersten Plätze. Das liegt zum einen an den wirklich rattenscharfen Sexszenen, zum anderen aber auch an den spannenden Handlungssträngen. Wie kommst du auf diese tollen Ideen?
Sandra Henke: Das ist gleich eine kniffelige Frage zu Anfang. Inspiriert wird man durch alles, was man sieht, hört, erlebt und erzählt bekommt, und ja, manchmal auch durch Träume. ;) Manche Ideen trage ich schon länger mit mir herum, wie die meines aktuellen Romans „Lotosblüte“, manche kommen spontan. Meist sind es Ausgangs- oder Grundsituationen, um die ich meine Geschichten herum spinne. Ich erwäge, was geschehen und mir und dem Lesern gefallen könnte, prüfe die Logik und Dramaturgie und bemühe mich, die Erotikszenen abwechslungsreich zu schreiben und sie flüssig in den Plot einzufügen, damit sie nicht erzwungen oder aufgesetzt wirken.

Darklady: Wie lange schreibst du an einem Manuskript oder besser, wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Manuskript?
Sandra Henke: Das kann ich nicht genau sagen, weil ich den Verlagen nur ein Exposé und ggfl. eine Leseprobe schicke. Es zieht ja alleine schon Zeit ins Land, bis sie ihr Go! geben. Dann beginne ich mit dem Schreiben. Der eigentliche Schreibprozess dauert ungefähr drei Monate, da ich noch Teilzeit nebenher arbeite und mich dem Manuskript zeitlich nicht so intensiv widmen kann, wie ich gerne würde. Außerdem werden meine Manuskripte immer länger. *lol* Daraufhin folgt die Überarbeitungsphase. Es zieht sich also, aber meistens schickt man ja bereits Exposés ein, während man noch an einem anderen Manuskript schreibt, sodass nicht allzu viel Leerlauf zwischen den einzelnen Projekten ist.

Darklady: Wann hast du mit dem Schreiben erotischer (und/oder anderer) Romane begonnen?
Sandra Henke: Ich schreibe schon länger, aber mein erstes Erotikbuch war der erotische Vampirroman „Begierde des Blutes“, den ich gemeinsam mit meiner Autorenkollegin Kerstin Dirks verfasst habe. Er erschien 2005 als eBook und als Taschenbuch im Plaisir d’Amour Verlag, 2007 auch als Lizenz im Mira Taschenbuch im Cora Verlag.

Darklady: Wann erscheint der nächste Sandra-Henke-Roman und wie lautet der Titel?
Sandra Henke: Ab 1. September wird mein zweiter erotischer Krimi „Opfer der Lust“ erhältlich sein. Obwohl der Titel eine Fortsetzung von „Loge der Lust“ vermuten lässt und das Taschenbuch ebenfalls im Mira Taschenbuch im Cora Verlag erscheint, handelt es sich um einen eigenständigen Roman.

Darklady: Kannst du uns schon ein bisschen was über die Handlung verraten?
Sandra Henke: Dann will ich mal exklusiv für deinen Blog etwas mehr preisgeben, als im Rückklappentext steht. ;) Im Mittelpunkt steht die junge Bethany, deren Leben gehörig durcheinander gewirbelt wird, als sich ein geheimnisvoller Fremder in ihr Leben drängt. Kade erpresst sie mit einem erotischen Video, das ihr Ex-Freund Aaron vor einigen Jahren ohne ihr Wissen von ihr gemacht hatte, und verführt sie geschickt, ja, er lotet sogar peu-à-peu ihre Tabugrenzen aus, aber das scheint nicht sein einziges Ziel zu sein. Beth fürchtet und begehrt ihn gleichsam. Nicht nur, dass Beth zwischen den Stühlen sitzt, denn eigentlich ist sie mit Darryl liiert, es kommt noch schlimmer. Kade behauptet, dass ihre Eltern sie belügen. Oder versucht er nur, Beth zu manipulieren? Dank ihm ist auch Aaron wieder da, mittlerweile ein Cop. Plötzlich steht ihre Welt Kopf. Auslöser für das Chaos ist eine einzige Person: Kade. Bedrohung und sanfter Verführer in einem. Der Sex mit ihm ist göttlich. Aber welchen Preis wird Beth dafür zahlen müssen?

Darklady: Werden dich die Leser in nächster Zeit irgendwo treffen können?
Sandra Henke: Ich werde am 24. Mai in der neu eröffneten Buchhandlung für erotische Bücher & mehr „Herzenslust“ in Bochum aus meinen Romanen „Lotosblüte“ und „Loge der Lust“ vorlesen. Weitere Infos zu der Lesung [Adresse, sonstiges Programm etc.] werde ich in den kommenden Tagen auf meine Homepage www.SandraHenke.de hochladen.

Darklady: Nun, dann wünsche ich dir für dein neues "Baby" viel Erfolg. Und herzlichen Dank für das Interview.
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Ednor Mier aka: Sara Jonas/Edna Schuchardt/Edna Meare/Lydia Vormsteeg

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