Veröffentlichen um jeden Preis?
Gestern bin ich mal wieder gefragt worden, ob ich schon mal etwas von dem Verlag XXY gehört habe und wenn ja, was ich von ihm halte.
Bei der Fragerin handelt es sich um eine Dame, die mich sonst immer mit gerümpfter Nase betrachtet, weil ich ja "nur" Liebesromane schreibe. Ihr hochbegabter Sohn (14) hat nun einen Fantasy-Roman geschrieben, natürlich erste Sahne, die Familie vom Säugling bis zur Urahnin ist begeistert und nun soll das 455-Seitenwerk (was für einen 14jährigen in der Tat eine bemerkenswerte Leistung ist!) unbedingt zwischen festen Buchdeckeln dem geneigten Leser dargeboten werden. Die stolze Mutter hat das MS also XXY angeboten und der Verlag hat sich sofort bereit erklärt, es zu veröffentlichen.
"Sie sind begeistert!", schwärmt Mama und reicht mir würde- und bedeutungsvoll das Antwortschreiben des Verlags.
"Schön", antworte ich. "Aber Sie haben schon gesehen, dass XXY einen Druckkostenzuschuss in Höhe von 12.000€ verlangt?"
Die Mama nickt und liest vor: "...bieten wir unseren AutorInnen die Möglichkeit, ihre Buchprojekte in einem professionellen Umfeld zu realisieren. Zu unseren Dienstleistungen zählen u.a. Lektorat, Layout, Grafik, Druck..."
"Gut", sage ich. "Aber das tun andere Verlage auch und die verlangen keine Zuzahlung sondern zahlen ihren Autoren auch noch ein Honorar."
"Ja, aber doch erst nach der Veröffentlichung!"
"Also, ICH bekomme mein Honorar immer sofort nach Vertragsabschluss."
"Na ja, Sie schreiben ja auch nur solche Groschenhefte und das Erotikzeugs. Aber der Verlag hier...", Mama tippt stolz auf das Schreiben. "der veröffentlicht nur seriöse, gute Literatur und das kostet natürlich was. Das kann so ein Haus nicht alleine tragen."
"Schön", sage ich (verkneife mir ein Grinsen) "Wenn Sie das so sehen, dann nehmen Sie Ihr gutes Geld und werfen Sie es dem Verleger in den Rachen."
Die Dame wird mich weiterhin nicht grüßen, aber damit kann ich leben. Spätestens wenn ihr die Paketpost eine Kiste mit 1000 Roman-Exemplaren vor die Haustür stellt, mit dem Hinweis, dass sich die Familie selbst um den Verkauf der Bücher kümmern soll, wird sie vielleicht begreifen, dass man sie übers Ohr gehauen hat.
Wer unter euch schreibt und mit dem Gedanken spielt, sein MS einem Verlag anzubieten, hier ein Link zum Thema:
http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/web/
Bei der Fragerin handelt es sich um eine Dame, die mich sonst immer mit gerümpfter Nase betrachtet, weil ich ja "nur" Liebesromane schreibe. Ihr hochbegabter Sohn (14) hat nun einen Fantasy-Roman geschrieben, natürlich erste Sahne, die Familie vom Säugling bis zur Urahnin ist begeistert und nun soll das 455-Seitenwerk (was für einen 14jährigen in der Tat eine bemerkenswerte Leistung ist!) unbedingt zwischen festen Buchdeckeln dem geneigten Leser dargeboten werden. Die stolze Mutter hat das MS also XXY angeboten und der Verlag hat sich sofort bereit erklärt, es zu veröffentlichen.
"Sie sind begeistert!", schwärmt Mama und reicht mir würde- und bedeutungsvoll das Antwortschreiben des Verlags.
"Schön", antworte ich. "Aber Sie haben schon gesehen, dass XXY einen Druckkostenzuschuss in Höhe von 12.000€ verlangt?"
Die Mama nickt und liest vor: "...bieten wir unseren AutorInnen die Möglichkeit, ihre Buchprojekte in einem professionellen Umfeld zu realisieren. Zu unseren Dienstleistungen zählen u.a. Lektorat, Layout, Grafik, Druck..."
"Gut", sage ich. "Aber das tun andere Verlage auch und die verlangen keine Zuzahlung sondern zahlen ihren Autoren auch noch ein Honorar."
"Ja, aber doch erst nach der Veröffentlichung!"
"Also, ICH bekomme mein Honorar immer sofort nach Vertragsabschluss."
"Na ja, Sie schreiben ja auch nur solche Groschenhefte und das Erotikzeugs. Aber der Verlag hier...", Mama tippt stolz auf das Schreiben. "der veröffentlicht nur seriöse, gute Literatur und das kostet natürlich was. Das kann so ein Haus nicht alleine tragen."
"Schön", sage ich (verkneife mir ein Grinsen) "Wenn Sie das so sehen, dann nehmen Sie Ihr gutes Geld und werfen Sie es dem Verleger in den Rachen."
Die Dame wird mich weiterhin nicht grüßen, aber damit kann ich leben. Spätestens wenn ihr die Paketpost eine Kiste mit 1000 Roman-Exemplaren vor die Haustür stellt, mit dem Hinweis, dass sich die Familie selbst um den Verkauf der Bücher kümmern soll, wird sie vielleicht begreifen, dass man sie übers Ohr gehauen hat.
Wer unter euch schreibt und mit dem Gedanken spielt, sein MS einem Verlag anzubieten, hier ein Link zum Thema:
http://www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com/web/
Darklady - 7. Mai, 12:45















als machen lassen
Diese Mama ist wieder mal das beste Beispiel für Übereifer und Falschverstandene Mutterliebe (vermutlich hat sie Angst um ihr Muttertagsgeschenk). Ist ja schön, dass Sie auf ihren Sprössling stolz ist ABER gleich 12.000 € Stolz? Pass nur auf, bald wird sie wieder vor deiner Tür stehen und dann heißt es nicht „wolle Rose kaufen“ sondern „Unterstützen sie neue aufstrebende Talente. Sie waren doch auch mal ein Neustarter“.