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Interview mit Olaf Büttner

DeLiA_Buettner_Olaf


Heute möchte ich euch einen meiner interessantesten Kollegen vorstellen: Olaf Büttner, Sozialpädagoge und Schrifststeller, dessen Jugendromane durchaus auch für Erwachsene geeignet sind und umgekehrt. Ein äußerst vielseitiger Autor, der neben seinen Jugend- und Erwachsenenromanen auch diverse Kurzgeschichten veröffentlicht hat, sowie Drehbücher und Kolumnen schreibt, die regelmäßig in einer großen Tageszeitung erscheinen. Olaf Büttner wurde bereits mit zahlreichen Preisen für seine literarische Arbeit ausgezeichnet.
Wir sitzen uns in einer dieser typischen norddeutschen Teestuben gegenüber und genießen Schietwettertee mit Kluntjes und Klütjes, während wir uns entspannt unterhalten.

Darklady: Olaf, deiner Vita entnehme ich, dass du als Sozialpädagoge mit behinderten Kindern arbeitest. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, gerade die emotionale Belastung. Wie schaffst du es dann noch deine Romane, Drehbücher, Kurzgeschichten und vieles mehr zu schreiben? Woher nimmst du die Zeit und die Kraft?

Olaf Büttner: Inzwischen habe ich den Bereich gewechselt und arbeite nun wieder mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen (eher leicht) geistig Behinderten. Über das "normale" Maß hinaus anstrengend ist diese Arbeit eigentlich nur, wenn sie einem nicht liegt. Mir macht sie (meistens)richtig Spaß, da sie mich immer wieder mit Menschen zusammenführt und Beziehungen zu ihnen aufbauen lässt, mit denen ich sonst keinen Kontakt hätte. Und sie alle sind besondere, manchmal auch skurrile, jedenfalls immer interessante Persönlichkeiten und Typen. Das finde ich bereichernd und irgendwie gibt es mir vielleicht sogar mehr Kraft als dass es mir Kraft nimmt.
Wichtig ist, dass ich diese Arbeit in 20-Stunden-Schichten mache und es mir durch das Schreiben erlauben kann, seit Jahren mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten. Das bedeutet in der Regel, einen oder zwei Tage (dann allerdings durchgehend) die Woche Arbeit im Wohnheim und fünf Tage fürs Schreiben, wo ich dann um einen mindestens 7-8 Stundentag bemühe. Im Gegensatz zu vielen anderen Kombinationen von "bürgerlichem" und künstlerischem Beruf erscheint mir das eine tolle Variante, für die ich sehr dankbar bin.

Darklady: Gibt es Themen, die dir ganz besonders am Herzen liegen?

Olaf Büttner: Das ist schwer zu sagen, da ich über viele verschiedene Themen schreibe (und wenn ich über etwas schreibe, begeistert mich eigentlich jedes Thema), auch Genre übergreifend: Krimis, Thriller, aber auch Geschichten, in denen es vorwiegend um Liebe geht. Ich habe Bücher für Erwachsene veröffentlicht (die allerdings auch Jugendliche lesen können)und Bücher für Jugendliche (die allerdings auch Erwachsene lesen können).
Widersprüche interessieren mich. Konflikte: Warum muss ich oft jemanden verletzen, wenn ich einen anderen liebe? Warum tötet plötzlich jemand, der von sich gedacht hat, er könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun? Warum ist ein Behinderter manchmal (lebens)klüger als ein Professor? Warum geht Ernst nicht ohne Komik? Warum war Einstein albern? Warum Loriot ernst? - Du siehst schon, das lässt sich unendlich fortsetzen. Zusammengefasst: Themen werden für mich durch ihren inneren Widerspruch interessant. Das Leben ist immer These und Antithese in einem. Und das Leben ist natürlich das große Thema, keine Frage.- Ich hoffe nur, ich hab jetzt niemand gelangweilt, ich hör mal lieber auf.

Darklady: Es gibt AutorenInnen, die brauchen eine ganz bestimmte Atmosphäre zum Schreiben. Thomas Mann z.B. benötigte absolute Ruhe, die Familie durfte sich nur auf Zehenspitzen durchs Haus bewegen. Wie ist das bei dir? Welche Stimmung brauchst du, um arbeiten zu können und was kannst du überhaupt nicht leiden bzw. stört dich extrem?

Olaf Büttner: Eine interessante Frage, die ich mir auch immer wieder neu stelle. Meine Wohnlage hier ist zum Beispiel sehr ruhig, direkt am Meer, schön. Aber ich frage mich schon, ob ich das zum Schreiben wirklich brauche. Ich glaube, dafür könnte ich auch irgendwo in Köln wohnen. Wichtig ist, dass ich mich in der Umgebung wohl fühle, da kann auch ruhig schon mal ein Auto vorbeifahren oder eine Straßenbahn. Stören tut Ruhe mich aber auch nicht.
Ich schreibe ganz gerne, wenn ich allein Zuhause bin. Sind aber andere da, hasse ich nichts so sehr wie übertriebene Rücksichtnahme nach dem Motto Thomas Mann: der hoch wohlgeborene Herr Dichter dichtet und alle anderen haben zu kuschen. Da kriege ich eine ganz unangenehme Gänsehaut und könnte mich glatt übergeben, wenn ich das nur höre. Mit einem gesunden Maß an Rücksichtnahme, die im Zusammenleben m.E. gegenseitig vorhanden sein sollte, hat das allerdings nichts zu tun: die finde ich gut und wichtig. Ansonsten kann ich auf meine eigenen Befindlichkeiten nur sehr begrenzt Rücksicht nehmen, da ich sehr regelmäßig schreibe, um meine Ziele zu erreichen. Im zurückliegenden Jahr hatte ich zum Beispiel eine richtig ernsthafte Schreibblockade, das war die Hölle für mich.
Darüber hinaus würde ich, müsste es sein, es auch noch machen wie Jack Kerouac, der seinen ersten Roman ("On the road/Unterwegs") zum Großteil in einem Klo auf Toilettenpapier verfasst hat. Also man sieht schon meine Ausrichtung: Kerouac statt Mann, gelebtes Leben statt Elfenbeinturm. Da kann ich entschieden besser atmen... selbst wenn's auf einer Toilette ist ;-)

Darklady: Magst du uns etwas über deine Arbeitsweise erzählen? Womit beginnst du, wenn du erst einmal eine komplexe Idee hast für einen Roman? Und wie lange dauert es dann von der Idee bis zum fix und fertigen Manuskript?

Olaf Büttner: Geständnis vorweg: Ich habe nie eine komplexe Idee, wenn ich einen Roman beginne. Fange ich das Schreiben an, habe ich natürlich ein Thema, eine Grundidee und eine oder zwei starke Personen, die mir durch den Kopf schwirren und manchmal bis in die Nacht hinein verfolgen. Das sind meine Eckpfeiler. Wenn die stehen, geht's los: Ein starker Protagonist in einer interessanten Situation, die ich aufschreibe. Danach sehe ich, ob die Geschichte funktioniert oder nicht. Tut sie es nicht: Papierkorb! Tut sie es aber doch, geht's von ganz alleine weiter. Die Geschichte entwickelt sich, die Person geht ihren Weg, andere kommen hinzu. Das ist für mich selbst ein hochspannender Prozess.
Ich selbst schreibe nur noch mit, was sich abspielt. - Ich nenne mich oft "Schriftsteller", weil ich "Autor" nicht mag und unpassend finde für das, was wir tun. Am korrektesten wäre es bei mir allerdings, ich würde mich als "Protokollant" bezeichnen. Anders empfinde ich das oft wirklich nicht. Kommt eine Geschichte erstmal in Schwung, hab ich oft Schwierigkeiten, das Tempo mitzuhalten, das die Figuren mir vorlegen. Die schäumen oft geradezu über vor Tatendrang und Ideen.
Ich glaube schon, dass ich ein bisschen Fantasie hab, aber zum Schreiben brauche ich die eigentlich gar nicht ;-) . Das ist mehr so ein Beamtenjob: Ich protokolliere, was ich sehe, was sich vor meinem inneren Auge abspielt.
Wenn ich in einem solchen Sog erstmal drin stecke, dauert es (je nach Länge der Story) noch so zwei bis vier Monate, bis die erste Fassung einer Geschichte fertig ist. Den Rest, verschiedene Überarbeitungen, mache ich dann zum Großteil zusammen mit meiner Lektorin.

Darklady: Welche beruflichen Pläne hegst du für die Zukunft? Werden wir bald einen neuen Olaf-Büttner-Roman in den Händen halten dürfen?

Olaf Büttner: Schön gesagt: halten dürfen, grins. Danke! - Ja, "Die letzte Party" ist ja vor drei Monaten erschienen und in neun Monaten gibt's ein neues Buch (Arbeitstitel "Spurlos"). Das wird wieder ein Krimi (für Menschen ab 14 bis ...), eine Fortsetzung meines Buches aus 2007: "Tod im Hafen".
Damit bin ich zurzeit gerade im Endspurt, möchte das Manuskript bis Ende April beim Verlag vorlegen können. Darüber hinaus plane ich mit einem anderen großen Verlag konkret einen weiteren Roman zum Thema Jugendalkoholismus/Komasaufen. Damit werde ich anfangen, sobald ich diesen fertig habe.
Außerdem möchte ich so bald wie möglich auch wieder einen Roman vorrangig für Erwachsene schreiben. Da sucht mein Agent gerade einen neuen Verlag für mich. - Ansonsten schreibe ich immer fleißig meine Kolumnen für eine Tageszeitung, vor allem zum Thema "Mann/Frau", aber auch zum "Älter werden".
Wer sich näher informieren möchte über mich, meine Bücher, Arbeit, über geplante Lesungen u.ä., hier meine Homepage:
www.olafbüttner. de oder www.olafbuettner.de.vu
Über Besucher dort freue ich mich immer.
Und noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Meinen Roman "Sommersturm", für den ich den "DeLiA 2005" bekommen habe als bester deutschsprachiger Liebesroman des Vorjahres, kann ich nun zum Sonderpreis von 5,- € anbieten (Näheres ebenfalls auf meiner Seite)

Danke, liebe "Darklady", für die interessierten und interessanten Fragen und danke auch an alle, die gelesen haben, für das Interesse!
Mommy-Cool (anonym) - 16. Apr, 11:29

Toller Mann-toller Autor

Hallo,
Danke für dieses wirklich interessante und aufschlußreiche Interview. Es ist einfach toll zu erfahren, wie unterschiedlich ihr "Schreiberlinge" (das ist nicht abwertend gemeint!) arbeitet und wie ihr an eure Themen rangeht, Ideen findet usw. Das, was Herr Büttner hier erzählt hat, hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir auf jeden Fall gleich das neue Buch von Herrn Büttner kaufen werde.
Und, ja, er sieht tatsächlich gut aus:-)))

Holger (anonym) - 16. Apr, 13:55

Was mich noch interessieren würde: In welcher Tageszeitung erscheinen Herrn Büttners Kolumnen? Ich würde gerne ein paar lesen.

Olaf (anonym) - 18. Apr, 13:32

Kolumnen

Hallo Holger,
die Kolumnen erscheinen in der "Wilhelmshavener Zeitung", die in erster Linie hier in Nordwestdeutschland erscheint. Leider also nicht so ohne Weiteres überall erhältlich. Bei Interesse kann ich aber gerne privat ein paar per Mail verschicken. Das gilt natürlich auch gerne für andere Interessierte.
Beste Grüße,
Olaf Büttner
Daggi (anonym) - 16. Apr, 14:21

Ein Mann, der Liebesromane schreibt? Den Artikel muss ich heute Abend unbedingt meinem Freund zeigen. Der hält schreiben nämlich generell für unmännlich (außer mal 'ne Postkarte an seine Oma). Und das dieser Olaf Büttner alles andere als "unmännlich" ist, kann man ja auf dem Foto sehen. Ha, da wird mein Süßer heute Abend ganz schön nach Argumenten suchen müssen *breitgrins*

Sushi (anonym) - 16. Apr, 14:26

Noch mal ich

Hoppla, da bin ich doch mit meinem Coment in den falschen Artikel geraten. Aber macht nichts, ich habe mir die anderen Interviews nämlich auch durchgelesen und findes es echt spannend zu erfahren, wie unterschiedlich Schriftsteller arbeiten. Und ehrlich gesagt dachte ich auch, dass Heftchenschreiber nach einem Schema arbeiten. Dass die auch recherchieren und so, habe ich nicht geglaubt.
Schreiben scheint echt Arbeit zu sein.

Darklady - 16. Apr, 16:16

Liebe/r Sushi

Es scheint nicht nur so, es ist Arbeit! Ob Heftchenautor oder Buchautor, wir müssen den Stoff entwickeln, ihn prüfen ob die Plotpoints sitzen, ein Verlagsexposé anfertigen und für unsere Romane recherchieren. Wir sitzen oft zehn Stunden und mehr am Computer, wenn wir richtig im Stoff drin sind. Oder wenn der Abgabetermin drückt, dann arbeiten wir sonn- und feiertags und viele von uns haben auch noch einen so genannten Brotberuf, was bedeutet, dass wir dann nachts an unseren Manuskripten schreiben.
Ist das MS (ca. 90 Seiten für ein Hefti Bücher bis zu 2000 Seiten) fertig, muss es x-mal überarbeitet werden. Irgendwann kann man das MS nicht mehr sehen, aber wenn der Lektor sagt, hier und da muss noch was getan werden, nimmt man es sich eben noch mal vor.
Fast alle Schriftsteller haben mit dem HWS, Bandscheibenvorfällen und Haltungsschäden zu kämpfen.
Und falls du jetzt fragst, weshalb wir das alles machen, dann antworte ich mal stellvertretend für meine Kollegen und Kolleginnen: WEIL WIR UNSEREN BERUF LIEBEN.
Emma (anonym) - 16. Apr, 15:34

Interview

Hallo Darklady, mit den Interviews, das ist wirklich eine tolle Idee von dir. Als Leserin finde ich es sehr spannend, mehr über die Leute hinter den Büchern zu erfahren. Wie sie beim Schreiben vorgehen, was sie „nebenher“ noch arbeiten und dabei lässt du Frauen, als auch Männer, aus den verschiedensten Genre zu Wort kommen.
Ja, und mit Olaf Büttner hast du uns nicht zu unrecht den Mund wässerig gemacht. ;-)
LG Emma

Fritz (anonym) - 16. Apr, 18:10

Schreiben ist Arbeit?

Es mag ja sein, das Schreiben auch Arbeit ist, aber gegen richtiges körperliches Schaffen dürfte das doch wohl eher wie ein Hobby sein. Ihr müßt nicht bei Wind und Wetter raus, schwere Sachen schleppen oder euch dreckig machen. Ihr könnt bequem an euren Schreibtischen sitzen und euch die Zeit frei einteilen. Bei mir klingelt der Wecker Morgens um halb fünf, bei euch wahrscheinlich nicht vor zehn Uhr Morgens und wenn ihr dann keine Lust habt zum Aufstehen, denn bleibt ihr einfach liegen. Und wahrscheinlich kriegt ihr für eure Bücher auch noch mehr Geld als ich für meine Schufterei.

Sandra (anonym) - 16. Apr, 21:31

Selbstverständlich

Wir schreiben unsere Romane im Schlaf und verdienen Millionen damit. :) :) ;) Keine Ahnung, warum der Rest der Menschheit nicht auch Schrifststeller wird. Ist kinderleicht. Und Talent muss man deiner Meinung bestimmt auch nicht haben.
Tigger (anonym) - 17. Apr, 13:41

Unverschämt

Unverschämt, wirklich unverschämt. Meine Mutter ist ebenfalls eine Autorin und ich habe es seit meiner Kindheit miterlebt wie hart sie für ihren heutigen Erfolg arbeiten musste. Das mit der Freienzeiteinteilung ist auch nicht richtig, denn wenn ein Autor nicht schreibt, verdient er auch kein Gelt – das gilt auch bei Krankheit, Urlaub und Feiertage! Die ganzen Vorzüge die ein Angestellter hat, wie Krankversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung usw. sowie Überstundenentlohnung und Lohnfortzahlung bei Krankheit, hat ein Autor nicht. Er muss für alles privat aufkommen! Und über die ganze Steuergeschichten will ich erst gar nicht anfangen.
Darklady (anonym) - 17. Apr, 13:10

Nicht zu vergessen, dass wir alle eine Villa im Tessin oder auf Malle haben und ein Konto in Luxembourg oder Andorra. Und wir schreiben auch nur wenn die Sonne scheint, denn unser Computer ist auf der Sonnenterrasse fest installiert. Natürlich schlürfen wir Cocktail während der Arbeit und rauchen Zagarillos. Tja, es ist einfach toll, Schriftsteller zu sein!!!

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Woran ich gerade arbeite:

Seit 23.11.07: Gier (Erotikroman), Seit 01.07.08: Notärztin Dr. A.Bergen, In Vorbereitung: 1X Notärztin (VÖ Sep. 08) und Oma fürs Grobe (Roman)

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