Verlangen-Leseprobe
Steven hob den Kopf und sah Jessy nachdenklich an. „Sie wollen gehen?“ Er schien aus irgendeinem Grund nicht damit einverstanden zu sein. „Nehmen Sie doch noch ein Dessert oder wenigstens einen Kaffee.“
Jessy starrte ihn an, als käme er von einem anderen Stern.
„Mister Cassedy, ich bin nicht hierher gekommen, um mit Ihnen zu essen oder flache Konversation zu betreiben“, versetzte sie schneidend. „Ich wollte diese Unterredung aus ganz anderen Gründen mit Ihnen führen, aber das werden Sie nie verstehen.“
Sie erhob sich rasch, aber Steven machte diesmal keinen Versuch, sie zurückzuhalten.
„Danke für das Essen“, sagte Jessy mit bissiger Ironie, während sie nach ihrer Tasche griff.
„Aber Sie haben ja kaum etwas genommen“, erwiderte Steven träge.
„Wie wäre es noch mit einem Glas Wein?“ Steven griff nach der Flasche und hielt sie auffordernd hoch, doch Jessy schüttelte stur den Kopf. Sie wusste, dass er sich auf ihre Kosten amüsierte und das war nach allem, was er Lillian angetan hatte, wohl der Gipfel seines Zynismus!
Nun wusste Jessy zwar, dass man einem Mann wie Steven Cassedy nicht so einfach ungestraft vor das Schienbein treten durfte, aber so ein kleiner, giftiger Stachel tat manchmal mehr weh, als ein großer Tritt.
Jessy zwang sich also ein honigsüßes Lächeln auf die Lippen und ließ ein wenig die Wimpern klimpern.
„Danke, Sir.“ Ihr Lächeln war hinreißend, ihre Stimme etwas zu laut. Sofort ruckten an den Nachbartischen ein paar Köpfe herum, neugierige Augen starrten zu ihr herüber. Jessy ergriff die Flasche, die Steven noch in den Fingern hielt, drehte sie um und goss den edlen und gewiss nicht billigen Inhalt ohne jegliche Hast über Stevens schwarzes, frisch geföhntes Haar.
In dem piekfeinen Restaurant war es plötzlich so still, als wäre jemand mausetot umgefallen. Nur das nervige Klimpern der Tanzband hüpfte weiterhin durch den Raum, als könnte Musik das herrschende Eisschrankklima erwärmen. Aus dem Augenwinkel sah Jessy drei, vier aufgeregte Pinguinkellner mit gezückten Servietten herbeistürzen, die den armen Steven eilfertig abtrocknen wollten. Der saß wie festgenagelt auf seinem Stuhl und starrte mit ausdrucksloser Miene auf einen imaginären Punkt im Raum. Jessy fand es an der Zeit, den Rückzug anzutreten. Aber sie musste noch ein Tröpfchen Arsen auf den Dorn träufeln.
„Der Wein war eigentlich viel zu schade für Sie, Mister Cassedy“, sagte sie, während sie sich rückwärts zum Ausgang tastete. „Es hätte Salzsäure sein sollen. Aber ...“ Sie stockte und hob bedauernd die Schultern. „Nicht jeder bekommt, was er verdient. Leben Sie wohl, Mister Cassedy.“
Damit machte sie kehrt und stolzierte hoch erhobenen Hauptes durch die gläserne Schwingtür ins Foyer. Gleich darauf trat sie ins Freie.
Jessy starrte ihn an, als käme er von einem anderen Stern.
„Mister Cassedy, ich bin nicht hierher gekommen, um mit Ihnen zu essen oder flache Konversation zu betreiben“, versetzte sie schneidend. „Ich wollte diese Unterredung aus ganz anderen Gründen mit Ihnen führen, aber das werden Sie nie verstehen.“
Sie erhob sich rasch, aber Steven machte diesmal keinen Versuch, sie zurückzuhalten.
„Danke für das Essen“, sagte Jessy mit bissiger Ironie, während sie nach ihrer Tasche griff.
„Aber Sie haben ja kaum etwas genommen“, erwiderte Steven träge.
„Wie wäre es noch mit einem Glas Wein?“ Steven griff nach der Flasche und hielt sie auffordernd hoch, doch Jessy schüttelte stur den Kopf. Sie wusste, dass er sich auf ihre Kosten amüsierte und das war nach allem, was er Lillian angetan hatte, wohl der Gipfel seines Zynismus!
Nun wusste Jessy zwar, dass man einem Mann wie Steven Cassedy nicht so einfach ungestraft vor das Schienbein treten durfte, aber so ein kleiner, giftiger Stachel tat manchmal mehr weh, als ein großer Tritt.
Jessy zwang sich also ein honigsüßes Lächeln auf die Lippen und ließ ein wenig die Wimpern klimpern.
„Danke, Sir.“ Ihr Lächeln war hinreißend, ihre Stimme etwas zu laut. Sofort ruckten an den Nachbartischen ein paar Köpfe herum, neugierige Augen starrten zu ihr herüber. Jessy ergriff die Flasche, die Steven noch in den Fingern hielt, drehte sie um und goss den edlen und gewiss nicht billigen Inhalt ohne jegliche Hast über Stevens schwarzes, frisch geföhntes Haar.
In dem piekfeinen Restaurant war es plötzlich so still, als wäre jemand mausetot umgefallen. Nur das nervige Klimpern der Tanzband hüpfte weiterhin durch den Raum, als könnte Musik das herrschende Eisschrankklima erwärmen. Aus dem Augenwinkel sah Jessy drei, vier aufgeregte Pinguinkellner mit gezückten Servietten herbeistürzen, die den armen Steven eilfertig abtrocknen wollten. Der saß wie festgenagelt auf seinem Stuhl und starrte mit ausdrucksloser Miene auf einen imaginären Punkt im Raum. Jessy fand es an der Zeit, den Rückzug anzutreten. Aber sie musste noch ein Tröpfchen Arsen auf den Dorn träufeln.
„Der Wein war eigentlich viel zu schade für Sie, Mister Cassedy“, sagte sie, während sie sich rückwärts zum Ausgang tastete. „Es hätte Salzsäure sein sollen. Aber ...“ Sie stockte und hob bedauernd die Schultern. „Nicht jeder bekommt, was er verdient. Leben Sie wohl, Mister Cassedy.“
Damit machte sie kehrt und stolzierte hoch erhobenen Hauptes durch die gläserne Schwingtür ins Foyer. Gleich darauf trat sie ins Freie.
Darklady - 24. Mrz, 10:00























